Von Marko Mähner – Veröffentlicht: 8. Mai 2020

Analysten der Bank of America (BoA) prognostizieren einen Preisanstieg für die Feinunze Gold in immensem Ausmaß. Sie halten 3.000,00 Dollar für möglich. Die Saxo-Bank geht sogar noch weiter: 4.000,00 Dollar je Feinunze lautet die Ansage. Und auch für Silber soll es drastisch bergauf gehen.

Wie kommen die Analysten zu ihren gewagten Aussagen?

Im Grunde genommen läuft es darauf hinaus, dass die Analysten die langfristigen Folgen der Coronavirus-Pandemie als verantwortlich für die Verteuerung des Gelbmetalls ansehen.

Die Konsequenzen für die weltweite weltwirtschaftliche Entwicklung ergeben sich hierbei laut der Studie der BoA-Analysten mit dem einprägenden Titel „Die Fed kann kein Gold drucken“ aus mehreren Faktoren:

Die Staaten erhöhten ihre Haushaltsdefizite in einem bisher kaum erreichten Ausmaß. Die Zentralbanken verdoppelten ihre Bilanzen. Die Regierungen und die Zentralinstitute unternähmen dies, damit die Verbraucherpreise sowie Vermögenswerte gestützt werden.

Das Geld, das momentan reichlich fließt, bestehe aus Fiat-Währungen wie Dollar oder Euro. Diese innerlich wertlosen Tauschmittel könnten trotz bestehender Goldreserven unter immensen Druck geraten. Um dem ein Stück weit entgegenzuwirken, würden die Staaten respektive die Zentralbanken ihre Goldlager aufstocken, was den Preisanstieg beschleunigen werde.

Eine Treibwirkung für den Goldpreis haben, dem Papier zufolge, auch die nahezu weltweit massiv sinkenden Bruttoinlandsprodukte der Staaten. Die anzunehmenden Größenordnungen werden teilweise mit 20 bis 30 % ausgewiesen. Eine gleichzeitige Aufblähung der Bilanzen der Zentralinstitute habe einen gravierenden Goldpreisanstieg zur Konsequenz.

Das gelte ebenfalls für die Zinslandschaft. Diese liege in den USA sowie im Großteil der G-10-Staaten bei Null respektive darunter. Geringe Kreditentgelte bewirkten einen hohen Preis für Gold.

Gold wird zur Anlagealternative

Als ein zusätzliches Indiz für einen eindrucksvoll steigenden Goldpreis sieht das Strategieteam von Merrill Lynch die enger gewordene Beziehung zu den Entwicklungen der Aktienmärkte. Die Aktieninvestoren haben demnach gewissermaßen Gold als Anlagevariante entdeckt. Das Edelmetall ist damit nicht mehr nur „sicherer Hafen“, sondern vielmehr Spekulationsobjekt. Es wird hierbei deutlich, dass normalerweise eher vorsichtige Marktentwicklungsbeobachter in dieser Pandemie-Situation offenbar forscher in ihren Zukunftsaussichten werden.

Weiterhin führt die Prognose ins Feld, dass die Anfragen mit dem Wort „Gold“ in Google immens angestiegen seien. Das lasse den Schluss zu, bei Anlegern sei die Nachfrage, Gold zu kaufen, in stärkerem Umfang vorhanden und weiterhin zu erwarten.

Und was könnte den Goldpreis drücken?

Es gebe zwar auch Faktoren, die gegen einen Anstieg des Goldpreises sprechen könnten. Dazu gehörten ein starker Dollar, eine geringere Nachfrage nach physischem (Schmuck-)Gold etwa in China oder Indien sowie stabile Aktienmärkte. Dennoch sieht die Studie hierin keine Hindernisse für die ansteigende Preistendenz hinsichtlich des Goldes. Das Zusammenspiel von niedrigen Zinsen, sinkenden Bruttoinlandsprodukten, hohen Staatsdefiziten, Inflationsängsten sowie steigenden Goldreserven wiegen wohl schwerer.

Zusammenhänge mit Silber?

Bei dem sowohl industriell genutzten sowie als Schmuck begehrten Edelmetall Silber sieht die BoA ebenfalls eine steigende Kurve. Auch wenn momentan die aufgerufenen Marktpreise mangels Bedarf vor allem in der Industrie eine eher schwächere Entwicklung verzeichnen, werde der Mitteilung des Instituts zufolge der Kurs deutlich anziehen. Stützungsmaßnahmen für die Unternehmen in Zusammenhang mit den Inflationsängsten bei Anlegern würden den Preis für eine Silberunze innerhalb des kommenden Jahres auf 20,00 Dollar steigen lassen.

Sind die Begründungen stichhaltig, und werden die prognostizierten Preise tatsächlich so eintreffen?

Der erste Teil der Frage kann sicherlich bejaht werden. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie habe ich bereits in einem Beitrag thematisiert und wie dort vorhergesagt, hat sich die Situation inzwischen auch schon deutlich entspannt.

Allerdings, und damit sind wir bei dem zweiten Teil der Frage, ist es unmöglich konkret vorherzusagen, ob der Goldpreis tatsächlich in den nächsten 18 Monaten auf 3.000 oder gar 4.000 US-Dollar pro Unze steigt.

Wer einen Blick zurück wirft, erkennt aber auch, dass sich Artikel mit extremen Preisprognosen immer dann überschlagen, wenn die Preise kräftig gestiegen sind. Oftmals kam es jedoch – zumindest temporär, erst einmal zu rückläufigen Preisen.

Goldmünzen beziehungsweise Goldbarren kaufen ist angesichts der momentan häufig genannten „neuen Normalität“ keine Entscheidung, die sich nachträglich als grundlegend falsch herausstellen wird. Das gelbe Edelmetall ist ein veritables Mittel, der Inflation entgegenzuwirken. Es gibt Sicherheit. Es wird zu einem gewinnbringenden Investitionsobjekt. Gold hat einen messbaren Wert, vor allem, soweit es sich um physisches handelt, kann dieser Wert tatsächlich in Händen gehalten werden. Das macht den großen, positiven Unterschied zu den oben genannten Fiat-Währungen und zu Gold-Derivaten aus.