Von Marko Mähner – Veröffentlicht: 12. August 2020

Gold und Silber haben in den letzten Wochen eine spektakuläre Rally hingelegt. Bei vielen Anlegern kommt daher zurecht die Frage auf: Sollte ich jetzt verkaufen und die üppigen Gewinne mitnehmen? Im folgenden Beitrag versuche ich genau diese Frage zu beantworten.

 

Gründe für den Goldpreisboom sind vielseitig

Die Gründe für die aktuelle Gold-Rally sind breit gefächert. Insbesondere drei Faktoren sind für den rasanten Preisanstieg verantwortlich:

  1. Sicherer Hafen: Gold gilt in Krisenzeiten seit jeher als sicherer Hafen, mit dem sich Anleger gegen Krisen unterschiedlichster Art absichern. Insbesondere in Corona-Zeiten, in denen der nächste Lockdown nicht ausgeschlossen werden kann, wird daher verstärkt in Gold investiert.
  2. Internationale Geldpolitik: Weltweit betreiben die Zentralbanken derzeit eine ultralockere Geldpolitik. Die in rasantem Tempo steigende Geldmenge lässt auch die Ängste vor Inflation wachsen – was wiederum die Nachfrage nach Gold als wahrem Wert befeuert.
  3. Null- oder Negativzinsen: Im Euroraum liegt der Leitzins bereits bei 0 Prozent. Und die Spekulationen, dass dies bald auch für die US-Zinsen gelten könnte, mehren sich. Gold würde damit keine Opportunitätskosten mehr verursachen. Selbst längerfristige Negativzinsen scheinen derzeit nicht mehr ausgeschlossen zu sein. In dieser Lage kommt Gold – gerade als Absicherung gegen einen Kaufkraftverlust – eine enorme Bedeutung zu.

 

Silber legt im Windschatten von Gold zu

Ähnlich wie Gold gilt auch Silber vielen Anlegern als sicherer Hafen. Nahezu alle Gründe, die die derzeitige Gold-Rally befeuern, lassen sich daher eins zu eins auf den Silberpreis übertragen. Mit Blick auf den hohen Goldpreis dürften sich zudem viele Anleger für Silber als Alternative entschieden haben. Zumal ein Silberverbot angesichts der enormen Bedeutung des Edelmetalls für die Industrie auch bei Währungskrisen kaum denkbar ist.

Im Vergleich mit Gold ist der Silberpreis aber um einiges volatiler. Auch das hängt mit der Rolle von Silber als Industriemetall zusammen. Im Gegensatz zu Gold reagiert Silber sehr empfindlich auf Nachfrageeinbrüche seitens der Industrie. Und letztere sind in der aktuellen Corona-Pandemie im Rahmen eines erneuten Lockdowns durchaus möglich – lesen Sie hierzu auch den Beitrag zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf den Edelmetallmarkt, den wir in Kürze auf unserem Blog veröffentlichen.

Auf der anderen Seite ist aber auch das weitere Potenzial von Silber gigantisch. Immerhin gibt es derzeit rund um den Globus Bestrebungen, dem Klimawandel entgegen zu wirken. Und für eine grüne Zukunft spielt Silber aktuell eine Schlüsselrolle. Unverzichtbar ist das Edelmetall etwa für Photovoltaik-Module und in der E-Mobilität. Aber auch die unzähligen Sensoren von Windturbinen kommen nicht ohne Silber aus. Selbst aus den USA, die bislang nicht gerade für ihre Vorreiterrolle im Kampf gegen den Klimawandel bekannt sind, kommen diesbezüglich positive Signale. So macht sich Präsidentschaftskandidat Joe Biden für einen Green New Deal stark – und lässt damit Silberanleger hoffen. Mehr zur möglichen Entwicklung des Silberpreises lesen Sie in meinem Blogbeitrag „Quo vadis, Silberpreis? Eine Analyse“.

 

Für einen schnellen Verkauf spricht wenig

Zugegeben, der Prognoseversuch zukünftiger Edelmetallpreise hat immer etwas von Kaffeesatzleserei. Trotz des hohen Preisniveaus von Gold und Silber spricht derzeit allerdings wirklich wenig für einen vorschnellen Verkauf. Angesichts der oben aufgeführten Gründe erwarten auch internationale Experten, dass Gold und Silber weiterhin hoch gehandelt werden – und womöglich sogar noch deutlich im Preis steigen. Für Gold hat die Bank of America beispielsweise schon vor Monaten ein Kursziel von 3.000 Euro pro Feinunze ausgegeben. Die US-Bank Goldman Sachs gibt sich zwar konservativer. Aber auch hier haben die Experten das Preisziel kürzlich von 2.000 auf 2.300 Dollar erhöht. Und auch den Silberpreis sehen die Analysten der Bank of America im kommenden Jahr bei 35 Dollar. Sollte Biden die Wahl gewinnen, sind sogar 50 Dollar realistisch.

Sowohl beim Gold als auch beim Silberpreis gibt es also noch reichlich Luft nach oben. Wer nicht verkaufen muss, scheint derzeit gut damit beraten, bestehende Gold- und Silber-Investments zu halten. Und sollte es zu Kursrücksetzern kommen, die bei solch einer parabelförmigen Preisentwicklung durchaus möglich sind, können diese als willkommene Kaufgelegenheiten genutzt werden.

 

Gold: Lohnt es sich, jetzt noch zu investieren?

Wer selbst gerne in Gold investieren würde, angesichts des hohen Preises aber mit einem Einstieg hadert, findet im Blogbeitrag „Wann Gold kaufen? Über das perfekte Timing“ eine praxiserprobte Entscheidungshilfe. Zugleich gibt es mit Platin eine (noch) vergleichsweise günstige Alternative zu Gold und Silber. Zumal auch die langfristigen Aussichten von Platin vielversprechend sind – der neuen EU-Wasserstoffstrategie sei Dank.