Von Marko Mähner – Veröffentlicht: 29. Juli 2020

Fast ein Jahrzehnt hatte der Platinmarkt mit einer schwächelnden Nachfrage zu kämpfen. Nun scheint jedoch eine Trendwende in Sicht – der neuen EU-Wasserstoffstrategie sei Dank. Was ich in dem vor einigen Monaten veröffentlichten Artikel bereits angekündigt hatte, scheint sich nun – schneller als gedacht – zu bewahrheiten. Grund genug für mich, erneut einen Blick in die Zukunft des Platinmarkts zu wagen.

Platinpreis: Ende des Abwärtstrends?

Seit knapp 10 Jahren hält der Abwärtstrend des Platinpreises schon an. Die Auswirkungen durch die Corona-Pandemie dürften zwar weitestgehend kurzfristiger Natur sein, doch der generelle Preisdruck schien bestehen zu bleiben. Immerhin leidet die Platinnachfrage seit Jahren stark unter der schwindenden Bedeutung des Marktes für Dieselfahrzeuge, sind Diesel-Oxidationskatalysatoren doch eines der hauptsächlichen Einsatzgebiete des Edelmetalls.

Doch der Platinmarkt könnte vor einer Trendwende stehen. Grund ist die kürzlich vorgestellte Wasserstoffstrategie der Europäischen Union, die nichts Geringeres als einen „Systemwechsel“ einläuten soll. Damit soll die Technologie nicht nur in Deutschland, sondern europaweit zum Wachstumsmotor werden.

 

Wasserstoffstrategie der EU haucht dem Platinmarkt neues Leben ein

Als EU-Vertreter Anfang Juli die neue Wasserstoffstrategie ankündigten, wurden sie nicht müde, deren enorme Bedeutung für die Energiewirtschaft zu betonen. Als zentraler Bestandteil des Green Deals, der die EU bis 2050 klimaneutral werden lassen soll, kommt der Wasserstoffwirtschaft eine Schlüsselrolle zu. Denn so viel ist klar: Ohne Wasserstoff als grünem Energieträger wird es insbesondere in Industrie und Verkehr nicht gelingen, die CO2-Emissionen binnen 30 Jahren auf null zu senken. Das gilt insbesondere für Rohölraffination und Stahlproduktion, die derzeit noch echte Emissionsschleudern sind.

Während allein die Ankündigung der EU bereits die Aktien von Wasserstoffherstellen in die Höhe schnellen ließ, dürfte auch der Platinpreis in den nächsten Jahren erheblich profitieren. Der Grund: Grüner Wasserstoff entsteht durch die Elektrolyse von Wasser mit Strom aus regenerativen Energien. Der Elektrolyseprozess kommt dabei nicht ohne Platin aus. Selbst alternative Technologien zur Wasserstoffgewinnung wie die PEM-Elektrolyse (PEM: Proton Exchange Membran) sind auf den Einsatz von Platin angewiesen.

 

Platinbedarf könnte sich in den nächsten Jahren vervielfachen

Macht man sich die Dimensionen klar, die die Wasserstoffstrategie umfasst, wird schnell klar, wie groß das Potenzial für den Platinmarkt ist. Bis 2024 sollen Elektrolysekapazitäten von 6 GW geschaffen werden, um bis zu eine Million Tonnen Wasserstoff zu erzeugen. Und in weniger als 10 Jahren soll die Wasserstoffproduktion noch einmal verzehnfacht werden, wofür insgesamt Kapazitäten von 40 GW installiert werden sollen.

 

 

Die Grafik zeigt, welche Auswirkungen diese Entwicklung für den Platinbedarf hat. So dürfte der Platinbedarf im Jahr 2030 bereits siebenmal so hoch sein wie heute.

Doch auch 2030 ist das Ende der Platinnachfrage noch lange nicht erreicht. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass die Wasserelektrolyse 2050 Kapazitäten von bis zu 80 GW benötigt – allein in Deutschland. Die vom Fraunhofer-Institut entwickelte Wasserstoff-Roadmap für Deutschland unterstreicht nicht ohne Grund, dass zur Erreichung dieses Ziels der Edelmetall-Bedarf erheblich gesenkt werden muss. Anderenfalls könnte die Materialverfügbarkeit von Platin kritisch werden.

 

Die Konsequenzen der EU-Wasserstoffstrategie für Platinanleger

Dass die Platinnachfrage in den nächsten Jahren erheblich steigen dürfte, ist unstrittig. Für Anleger scheint ein Investment aktuell also günstig zu sein. Da die Elektrolysekapazitäten aber nur langsam ausgebaut werden können, ist mit plötzlichen Kurssprüngen wohl nicht zu rechnen. In wie fern es den Herstellern gelingt, den Platinbedarf bei der Elektrolyse zu verringern, ist noch fraglich. Zumindest in den nächsten Jahren jedenfalls dürfte die Technologie noch nicht ohne erhebliche Mengen Platin auskommen.

In einem der nächsten Artikel werde ich die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Edelmetallmarkt in den Fokus nehmen.