Welches Edelmetall bietet derzeit die größten Gewinnchancen? Bei der Suche nach einer Antwort auf diese ewige Frage wird seit Jahren auf Silber verwiesen. Anleger mit Weitblick sollten aber durchaus auch einmal einen Blick auf Platin werfen.

15.05.2020

Gold, Silber und Platin

Bereits seit Jahren kann man in diversen Artikeln lesen, dass der Preis für Silber, gemessen am historischen Verhältnis zwischen Gold und Silber, ausgesprochen günstig sei. Was dabei jedoch oft vergessen wird: Der Blick auf die Entwicklung von Angebot und Nachfrage. In einem der nächsten Artikel werde ich darauf ausführlich eingehen. Hier und jetzt soll es aber um Platin gehen.

Wahre Werte

Wer mich in der Vergangenheit nach meiner Meinung zu einem bestimmten Sachwert gefragt hat, hat folgende Antwort bekommen: Wenn es um den Erhalt der Kaufkraft geht, sind alle „Wahren Werte“ eine gute Lösung. Was ich mit „Wahren Werten“ meine? Im Gegensatz zu Immobilien, Aktien oder Beteiligungen benötigen sie weder ein Management, welches ja durchaus auch mal Fehler machen könnte, noch sind sie abhängig von einer bestimmten Lage oder dem Bebauungsplan.

Alle Sachwerte haben ihre Daseinsberechtigung. Aber „Wahre Werte“ sind etwas Besonderes. Es sind für mich ganz spezielle Sachwerte – Sachwerte, die allein aufgrund ihres inneren Wertes wertvoll sind. Für sie benötigt man beim Kauf keine Fachkenntnisse, man muss sie weder managen noch verwalten. Man kann sie einfach kaufen und liegenlassen. Abgesehen von den normalen Schwankungen sind “Wahre Werte“ hervorragend geeignet, um Kaufkraft zu speichern.

Investieren statt Spekulieren

Wer wenig Geld besitzt, aber trotzdem ganz schnell ganz reich werden möchte, der ist bei physischen Rohstoffen jedoch fehl am Platz. „Wahre Werte“ sind ein sicherer Wertspeicher. Wer in sie investiert, denkt in anderen Zeiträumen. Hier geht es nicht um hohe Gewinne in wenigen Tagen.

Trotzdem lohnt es sich, auch bei den „Wahren Werten“ genauer hinzuschauen, denn auch sie weisen unterschiedliche Wertentwicklungen auf. Damit meine ich nicht die kurzfristigen Schwankungen. Mir geht es vielmehr um langfristige Entwicklungen, die wegen grundlegenden Änderungen entstehen. Dazu gehört die Entwicklung neuer Techniken ebenso, wie ein geändertes kollektives Bewusstsein, wie zum Beispiel in Bezug auf unser Klima. Solch gravierenden Änderungen kommen nicht so häufig vor, entsprechend selten sind die Chancen, wie ich sie heute ansprechen möchte.

Hort- oder Industriemetall?

Während Gold überwiegend gehortet wird, kommt Platin fast ausschließlich in der Industrie zum Einsatz. Noch nicht einmal 4 Prozent wanderten 2018 in die Tresore privater Anleger. Mit einem Anteil von circa 40 Prozent gehören die Autohersteller, vor der Schmuckindustrie mit 27 Prozent, zu den Hauptabnehmern. Interessant ist hierbei, dass der Verbrauch der Automobilindustrie im Jahr 2019 erstmalig wieder einen leichten Anstieg von ca. 1,5 Prozent zu verzeichnen hatte – ein erster, aber ganz wichtiger Frühlingsbote, wie ich gleich noch zeigen werde.

Auswirkungen durch Covid-19

Im Februar/März 2020 kam es, bedingt durch die Flucht in Cash, auch beim Platin zu kräftigen Kursrücksetzern. Doch wie wird sich die Pandemie kurz-, mittel- und langfristig auf die Platinpreise auswirken?

Bedingt durch Covid-19 wird es bei den Autobauern definitiv zu größeren Umsatzeinbußen kommen. So schrumpfte der EU-Nutzfahrzeugmarkt im ersten Quartal 2020 um 23,2 Prozent. Da beim Platin jedoch nur 40 Prozent der gesamten Produktion (Förderung plus Recycling) in die Autokatalysatoren wandern, dürfte es weniger betroffen sein, als Palladium – dort sind es satte 80 Prozent. Insgesamt werden sich die Umsatzrückgänge bei den Fahrzeugherstellern wahrscheinlich nur auf die kurz- bis mittelfristige Nachfrage nach Platin auswirken.

Dem entgegen steht die am 27. März wegen Covid-19 verordnete Schließung der südafrikanischen Minen. Südafrika hat mit einem Anteil von etwa 72 Prozent an der weltweiten Platinförderung eine Art Monopolstellung. Obwohl die Minen inzwischen wieder mit halber Auslastung fördern dürfen, wird es laut Analysten der Bank of America, Merrill Lynch voraussichtlich bis noch Dezember dauern, bis die volle Förderkapazität wieder erreicht ist.

Auch wenn es schwer ist, den Rückgang beim Verbrauch und die Förderausfälle gegeneinander abzuwägen – ich erwarte weder auf der Nachfrage- noch auf der Angebotsseite gravierende langfristige Auswirkungen. Ich halte Platin aus anderen Gründen für spannend…

Angebot übersteigt die Nachfrage

In den letzten 10 Jahren wurden rund 15 Prozent mehr Platin gefördert, als verbraucht wurden (Stand: 05/2020). Die Recyclingquote steigt jährlich um ca. 5 Prozent und außerdem sinkt die Nachfrage aus der Schmuckindustrie seit etwa 5 Jahren – warum in aller Welt sollte Platin als Investment trotzdem interessant sein?

Ich könnte jetzt etwas von den Unwägbarkeiten erzählen, die die beiden Monopolisten (Afrika und Russland) mit sich bringen. Aber das wäre mir als Kaufargument einfach zu schwammig und träfe nicht den Kern.

Platin das bessere Palladium?

Platin und Palladium haben ähnliche chemische Eigenschaften und so hat sich vor einigen Jahren die Autoindustrie zum Umstieg von Platin auf Palladium entschieden. Damals ist der Platinpreis auf über 1.000 US-Dollar pro Unze gestiegen und war damit etwa fünfmal so teuer wie Palladium. Heute hat sich das Verhältnis umgekehrt, der Preis für eine Unze Palladium liegt aktuell bei 1.875 USD, der für Platin bei 775 USD (Stand: 05/2020).

Je länger der Platinpreis so deutlich unter dem des Palladiums liegt, umso mehr Autohersteller werden zum Platin zurückkehren. Das ist zwar ein längerer Prozess, denn bei bestehenden Modellreihen dürfte eine Umstellung kaum wirtschaftlich sein. Doch bei neuen Modellen könnte Platin durchaus wieder eine größere Rolle spielen. Eine vollständige Rückkehr zum Platin dürften allerdings die inzwischen verschärften Abgasnormen verhindern. Bei hohen Betriebstemperaturen, wie sie in Benzinern auftreten, können Platinpartikel versintern. Das wiederum reduziert auf Dauer die Leistung des Katalysators. Doch bei Diesel- und den sonstigen in der Industrie verwendeten Katalysatoren arbeitet Platin effizienter als Palladium.

Den leichten Anstieg des Platinverbrauches im Jahr 2019 hatte ich eingangs als ersten, aber ganz wichtigen Frühlingsboten bezeichnet. Dieser Anstieg könnte bereits ein erstes Anzeichen dafür sein, dass die Autoindustrie wieder zum altbewährten Platin zurückkehrt. Doch es gibt noch ein viel wichtigeres Argument für Platin.

Quantensprung bei Energiespeichern

Bei den E-Autos scheint es, als wenn zwei Systeme um die Vorherrschaft ringen: Batteriegespeiste und Wasserstoff betriebene Fahrzeuge (wobei auch das Wasserstofffahrzeug eine kleine Batterie benötigt). Zumindest bei den Nutzfahrzeugen halte ich es für durchaus möglich, dass sich Wasserstoff durchsetzt. Aber es wartet noch ein weiterer großer Markt auf Platin …

Ein Großteil der Erderwärmung wird den fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle angelastet. Grüner Strom, der durch Windräder oder Solarenergie erzeugt wird, könnte erheblich zur Reduzierung der Treibhausgase beitragen, wenn es gelingt, die erzeugte Energie zu speichern. Wasserstoff als der Energiespeicher der Zukunft – ein Technologiesprung, der dem Platinpreis Flügel verleihen könnte.

In welchen Größenordnungen der Bedarf an Platin bei neuen Technologien beziehungsweise in anderen Industriezweigen bereits jetzt ist, machen die Wachstumsraten in der Chemie (Plus 17 %), in der Elektronik (Plus 18 %) und bei der Glasherstellung (Plus 37 %) deutlich.

Mit Platin über Nacht reich werden

Reicht das alles, um mit einer Spekulation auf steigende Platinpreise über Nacht reich zu werden? Ganz gewiss nicht, denn auch wenn Technologien das Stadium von Laborversuchen bereits weit hinter sich gelassen haben, bis sie sich auf breiter Front durchsetzen, wird noch einige Zeit vergehen. Wer im Besitz des zu viel produzierten Platins ist, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Doch der Preis nach unten scheint gut abgesichert zu sein. Der plötzliche Preiseinbruch im März wurde von allen drei Hauptakteuren, der Industrie, den Schmuckherstellern und den Banken sofort genutzt, um ihre Bestände aufzustocken. An der Shanghai Gold Exchange (SGE) ließ der Preisrückgang im März das Handelsvolumen schlagartig um 500 Prozent auf 343.000 Unzen (etwa 10.700 kg) hochschnellen.

Dieser Umsatzanstieg war sicherlich dem günstigen Preis geschuldet. Aber er zeigt auch, dass die Überproduktion aus den Vorjahren sowie die steigenden Recyclingmengen bereits gut verdaut wurden. Somit bietet sich jetzt langfristig orientierten Investoren die Chance, in den nächsten Monaten einen schönen Bestand aufzubauen und damit in den nächsten größeren Preisanstieg zu gehen.

Stolpersteine: Aufschläge und Mehrwertsteuer

Wer auf Nummer Sicher gehen will, sammelt physisches Material ein. Mit Einsammeln meine ich: Mehrere Käufe über einen längeren Zeitraum verteilen. Dabei gibt es allerdings zwei Hürden, die die Aussicht auf Gewinne schnell zunichtemachen:

  1. Die Aufschläge

Kleine Platinbarren mit einem Gewicht von 1 Gramm sind mit Preisen von ca. 42 € zwar optimal für das Einsammeln geeignet, aber bei einem Aufgeld von etwa 40 Prozent gegenüber einem 100g Barren ist kaum Gewinn zu machen. Natürlich könnte man auch gleich zu dem 100g Barren greifen – vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld. Mit knapp über 3.000 € dürfte er aber für die Meisten für regelmäßige Käufe zu hochpreisig sein (Preise und Aufschläge Stand: 05/2020).

  1. Die Mehrwertsteuer

Noch uninteressanter wird der „normale“ Kauf von Platin, weil zusätzlich zu den Aufschlägen auch noch die Mehrwertsteuer anfällt.

Auch wenn ich Platin als einen Wertspeicher mit guten Wachstumschancen ansehe – aus wirtschaftlicher Sicht ist der übliche Kauf von Platinbarren oder -münzen nicht empfehlenswert. Bei der Investition in 1g Barren müssten die Preise um über 60 Prozent steigen, bevor der Investor seinen ursprünglichen Kaufpreis erreichen würde! Deshalb gilt auch beim Platin die alte Kaufmannsweisheit: Im Einkauf liegt der Gewinn…

Die perfekte Lösung

Wer günstig, ohne renditezehrende Umsatzsteuer und ganz entspannt einen Bestand an Platin aufbauen möchte, kann das am einfachsten über gute Sparpläne erledigen. Dabei werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

  1. Es werden große Platinbarren gekauft, die nur ein geringes Aufgeld haben.
  2. Durch Lagerung in einem vom deutschen Zoll anerkannten Zolllager entfällt die Mehrwertsteuer.
  3. Preisschwankungen führen durch den Cost-Average-Effekt automatisch zu einem günstigen Durchschnittspreis.

Beim Sparplan der GranValora (Sachwertdepot) kann neben Platin auch in drei weitere Edelmetalle und in dringend von der Industrie benötigte Technologiemetalle und Seltenen Erden investiert werden. Und wer die aktuell niedrigen Preise nutzen und gleich mit größeren Beträgen starten möchte? Moderne Sparpläne sind so flexibel, dass sich Einzelzahlungen und Sparpläne perfekt miteinander kombinieren lassen.

Fazit

Ob mit Platin hohe Gewinne erzielt werden können wird die Zukunft zeigen. Ein sicherer Wertspeicher ist es allemal. Erste Anzeichen deuten auf eine Abkehr vom Palladium und eine wieder verstärkte industrielle Nutzung des Platins hin. Wer bereit ist über einen längeren Zeitraum Bestände aufzubauen und dabei günstig einkauft, kann nicht nur gut schlafen, er kann sogar einem, nicht gänzlich auszuschließenden Goldverbot, gelassen entgegensehen.

 

Quellenangabe und Hinweise zu den Berechnungen

  • Refinitiv GFMS Platinum Group Metals Survey 2019
  • Statista
  • Eigene Daten und Berechnungen der GranValora GmbH & Co. KG. Die Berechnungen beziehen sich teilweise auf das Jahr 2018, da die endgültigen Zahlen für 2019 zum Zeitpunkt der Berechnung noch nicht vorlagen.