Von Marko Mähner – Veröffentlicht: 26. August 2020

Zwar ist die Corona-Krise eine temporäre Krise, die in absehbarer Zeit enden wird – sei es durch einen Impfstoff oder in Folge einer Durchseuchung der Bevölkerung. Auf den Edelmetallmarkt hat sie dennoch ganz konkrete Auswirkungen und wird wohl auch in den nächsten 1 bis 3 Jahren ein maßgebender Faktor für die Preisentwicklung bleiben. Grund genug, die kurz- bis mittelfristigen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Edelmetallpreise in den Blick zu nehmen.

 

Die Krisengewinner

Stand 19. August 2020 lassen sich unter den Edelmetallen aktuell zwei große Gewinner der Corona-Krise ausmachen: Gold und Silber. Die Entwicklung allerdings sieht bei beiden Rohstoffen unterschiedlich aus. Ebenso wie die von mir prognostizierte Kursentwicklung bei einer erneuten Verschärfung der Krise.

 

Gold: der sichere Hafen

Gold gilt in Krisenzeiten schon immer als sicherer Hafen. So wundert es nicht, dass Anleger sich auch in der Corona-Krise in Gold flüchten. Dass der Goldpreis nun mit mehr als 2.000 US-Dollar pro Feinunze auf einen historischen Höchststand geklettert ist, liegt nicht nur an der allgegenwärtigen Krisenstimmung, sondern auch an den üppigen Hilfspaketen, die Notenbanken rund um den Globus geschnürt haben. Das viele zusätzliche Geld befeuert bei vielen Anlegern die Sorge vor einer Inflation.

Solange die globale Wirtschaft durch die Corona-Krise von starken Unsicherheiten geprägt wird, spricht in meinen Augen vieles dafür, dass der Goldkurs weiterhin auf insgesamt sehr hohem Niveau bleibt. Ob weiterhin ein Kursrekord den nächsten jagt, hängt dagegen stark von der Dynamik der Pandemie ab. Erneute Lockdowns, weitere milliarden- oder gar billionenschwere Hilfspakete könnten den Safe-Harbor-Effekt von Gold noch verstärken. Ganz zu schweigen von ersten Anzeichen einer sich tatsächlich beschleunigenden Inflation.

 

Silber: Comeback-Star und Wackelkandidat

Wie ich in dem Beitrag „Quo vadis, Silberpreis? Eine Analyse“ bereits beleuchtet habe, hat Silber im Gegensatz zu Gold zu Beginn der weltweiten Pandemie massiv an Wert verloren. Das lag in erster Linie daran, dass Silber als Industriemetall um ein Vielfaches bedeutsamer als Gold ist. Vom Lockdown, der die Industrie in vielen Staaten teilweise oder vollkommen zum Erliegen brachte, war die Silberbranche entsprechend stark betroffen. Seitdem hat Silber jedoch eine sagenhafte Rally hingelegt und dotiert aktuell weit über den Kursen der letzten fünf Jahre. Dieser vielversprechende Aufwärtstrend hat gleich mehrere Gründe:

  • Weitreichende Lockdowns wurden nahezu überall wieder aufgehoben, sodass die Silber-Nachfrage durch die Industrie entsprechend angezogen hat.
  • Ähnlich wie Gold hat auch Silber eine Sicherer-Hafen-Funktion in Krisenzeiten.
  • Da Silber als Industriemetall unersetzlich ist, ist ein Silberverbot auch bei Währungskrisen ungleich unwahrscheinlicher als ein Goldverbot.
  • Je mehr Staaten ankündigen, den Wiederaufbau klimaneutral zu gestalten, desto stärker dürfte Silber als essenzieller Rohstoff für Elektroautos und Photovoltaik-Elemente profitieren.
  • Der starke Goldkurs hält die Gold-Silber-Ratio hoch, was von vielen Anlegern als Kaufsignal für Silber verstanden wird.

Während der Goldpreis in der nächsten Zeit weitestgehend unabhängig von den konkreten Ausprägungen der Corona-Pandemie auf einem hohen Niveau bleiben dürfte, fällt die Prognose für Silber deutlich schwerer. Einerseits stützen die genannten Faktoren den Preis und legen eine Fortsetzung der Rally nahe. Andererseits ist der Silberpreis aber auch extrem anfällig für erneute Nachfragerückgänge. Kommt es im Zuge von zweiten oder gar dritten Wellen erneut zu einem Lockdown, dürfte auch der Silberkurs wieder heftig einbrechen. Erneutes Comeback bei Lockerungsmaßnahmen nicht ausgeschlossen.

 

Die Krisenverlierer

Ähnlich wie Silber haben auch Platin und Palladium bedingt durch den Einbruch der Industrie-Nachfrage zunächst massiv an Wert verloren. Anders als Silber konnten Platin und Palladium aber noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

 

Platin: Underdog mit Potenzial

Der Platinkurs bewegt sich – auch im historischen Vergleich – derzeit auf einem sehr niedrigen Niveau. Da Platin ebenso wie Silber eine große Bedeutung für die Industrie hat, wurde der Kurs von dem schlagartigen Nachfrageeinbruch zu Beginn der globalen Pandemie im März stark getroffen. Erneute Lockdowns hätten vermutlich einen vergleichbaren Effekt. Unter den betrachteten Edelmetallen besitzt Platin langfristig aber ein erhebliches Rally-Potenzial – und das aus mehreren Gründen.

  • Platin ist kein reines Industriemetall, sondern auch für Schmuckindustrie und Anleger interessant.
  • Im Vergleich zu Gold und Silber ist Platin aktuell extrem günstig. Das könnte Investoren anziehen.
  • Platin und Palladium können in etlichen Bereichen alternativ eingesetzt werden. Bei großen Preisdifferenzen könnte die Industrie auf das günstigere Platin ausweichen.
  • Rund 70 Prozent des globalen Platinabbaus konzentrieren sich auf Südamerika, das derzeit vielerorts mit steigenden Corona-Fallzahlen zu kämpfen hat. Regionale Lockdowns könnten das Angebot erheblich verknappen und den Preis nach oben treiben (was jedoch eher kurzfristige Auswirkungen hätte).
  • Jüngst hat die EU-Politik Wasserstoff als wesentlichen Teil einer grünen Klimastrategie für sich entdeckt. Da in der Wasserstoffproduktion Platin genutzt wird, könnte die Nachfrage bald erheblich steigen. Gerade, wenn die EU-Wasserstoffstrategie im Zuge des grünen Wiederaufbaus international Schule macht.

Die Chancen stehen also gut, dass Platin auf lange Sicht eine ähnliche Rally wie Silber hinlegt.

 

Palladium: schwieriger Stand

Der lange Aufwärtstrend von Palladium wurde durch die Corona-Krise jäh gestoppt. Zwar ähneln die industriellen Einsatzgebiete von Palladium denen von Platin. Allerdings wird Palladium nicht als Schmuck genutzt und spielt für Anleger im Gegensatz zu Platin als Krisenabsicherung kaum eine Rolle. Entsprechend bricht der Palladiumpreis in Krisenzeiten auch häufig stärker ein als der Platinpreis. Ob sich der Palladiumkurs in den nächsten Monaten und Jahren wieder erholen kann, ist daher an eine positive Pandemie-Entwicklung geknüpft. Ein Szenario, in dem Palladium von der Corona-Krise profitiert, kann ich mir – anders als bei Gold, Silber und Platin – momentan nicht vorstellen.

 

Fazit: Mögliche Preisentwicklungen der Edelmetalle im Überblick

Welche Edelmetalle sich im Laufe der Corona-Krise als Gewinner und Verlierer herauskristallisieren, kann nicht abschließend gesagt werden. Dafür ist die Pandemie-Entwicklung zu dynamisch. Festhalten lässt sich aber Folgendes:

  • Gold gilt in Krisenzeiten als der sichere Hafen schlechthin. Starke Kursverluste sind daher wenig wahrscheinlich. Eine Verschärfung der Krise könnte einen weiteren Kursaufschwung sogar begünstigen.
  • Silber befindet sich aus gutem Grund im Aufwärtstrend. Der Preis dürfte jedoch sehr sensibel auf eine Verschärfung der Krise reagieren.
  • Die Entwicklung des Platinpreises ist ebenfalls mit der Industrienachfrage und etwaigen zweiten Lockdowns verknüpft. Das Aufholpotenzial allerdings ist gigantisch.
  • Palladium kann durch die Krise kaum gewinnen. Schwächt sich die Pandemie allmählich ab, könnte das Edelmetall wieder Vorkrisenniveau erreichen. Harte Preiseinbrüche bleiben aber möglich.

Gut zu wissen: Die in Ihrem GranValora Sachwertdepot gelagerten Rohstoffe können Sie selbstverständlich jederzeit umtauschen und so auf neue Entwicklungen reagieren. Warum ab und zu Umschichtungen sinnvoll sein können, werde ich in einem meiner nächsten Beiträge erläutern, denn dann beschäftige ich mich mit dem Thema Rebalancing.