Von Marko Mähner – Veröffentlicht: 19. August 2020

Ein mögliches Goldverbot wird immer wieder – meist sehr emotional – diskutiert. Insbesondere seit der anonyme Golderwerb auf eine Grenze von 2.000 Euro gesenkt worden ist und die Besteuerung von Xetra-Gold im Raum steht. Nüchtern betrachtet scheint ein Goldverbot jedoch wenig wahrscheinlich. Warum, beleuchte ich in diesem Blogbeitrag.

 

Was ist ein Goldverbot?

Im Rahmen eines Goldverbots verschafft sich der Staat in irgendeiner Form Zugriff auf den Goldbesitz seiner Bürger. Dabei sind verschiedenste Varianten von Goldverboten denkbar. So kann ein Goldverbot einige oder alle der folgenden Punkte beinhalten:

  • Der private und/oder gewerbliche Goldhandel wird verboten.
  • Es kommt zu Mengenbegrenzungen beim maximalen Goldbesitz.
  • Der private Goldbesitz wird vollständig verboten.
  • Bürger können gezwungen werden, Goldvorräte zu einem festen Preis an den Staat zu verkaufen.

Zur Durchsetzung eines Goldverbotes sind Geldstrafen ebenso denkbar wie lange Haftstrafen.

 

Goldverbote in der Geschichte

Im Laufe der Geschichte kam es in verschiedensten Kulturkreisen bereits mehrfach zu Goldverboten. Diese reichen von der Antike bis weit hinein ins 20. Jahrhundert. Um nur einen Auszug der bekanntesten Goldverbote zu nennen:

  • Altes Ägypten, 1292 – 1168 v. Chr.: In der Zeit der 19. Dynastie wurde privater Goldbesitz verboten.
  • Römisches Reich, 49 v. Chr.: Gaius Julius Cäsar verbietet den Besitz von Gold, das den Wert von 15.000 Denaren übersteigt. Das Verbot erweist sich jedoch als nicht durchsetzbar.
  • Kaiserreich China, 1273 – 1309 n. Chr.: Der Kaiser von China führt die erste Fiat-Währung ein und verbietet den Besitz von Gold. Sämtliche Goldvorräte müssen dem Staat übergeben werden.
  • Frankreich, 1720 – 1796: Privater Goldbesitz wird verboten, um die Akzeptanz von Banknoten als legales Zahlungsmittel zu erhöhen. Dennoch tauschen Investoren das Papiergeld in andere Anlagen und lösen so eine Krise aus, die Frankreich schließlich zum Münzgeld zurückkehren lassen.
  • Weimarer Republik, 1923 – 1931: Ein Goldverbot soll der Hyperinflation und dem zunehmenden Währungsverfall entgegenwirken.
  • USA, 1933 – 1974: Präsident Franklin D. Roosevelt beschließt ein Goldverbot, das den Goldabzug aus den USA verhindern soll. Privates Gold muss zu einem festen Satz abgegeben werden. 1961 dehnt Präsident Dwight D. Eisenhower dieses Verbot auch auf im Ausland gelagerten Goldbesitz aus.
  • Indien, 1963 – 1990: Zur Verbesserung der Devisenlage erlässt die indische Regierung ein Goldverbot.

 

In welchen Fällen könnte es zu einem Goldverbot kommen?

In der jüngeren Vergangenheit wurden Goldverbote immer dann diskutiert und umgesetzt, wenn sich ein Staat in einer Währungs- oder Wirtschaftskrise befindet. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Bürger und Anleger mit einer weiteren Abwertung der Währung rechnen – und sich verstärkt Gold als Fluchtwährung zuwenden. Immerhin ist Gold seit Jahrtausenden ein wahrer Wert, der im Gegensatz zu nationalen Währungen im Zuge von Krisen nicht schlagartig wertlos werden kann. Im Gegenteil, in Krisenzeiten steigt Gold sogar traditionell im Wert.

Das Problem: Je stärker Anleger aus der nationalen Währung in Gold flüchten, desto stärker wird eben diese unter Druck gesetzt. Eine sich abzeichnende Währungskrise wird auf diese Weise verstärkt – und kann sich im Handrumdrehen zu einer handfesten Wirtschaftskrise ausweiten. Ein Goldverbot könnte aus Staatsperspektive einer solchen Entwicklung entgegenwirken. Auch eine Währungsreform, die im Zuge einer starken Inflation in Betracht gezogen wird, könnte den Staat dazu veranlassen, Edelmetalle zu konfiszieren, um damit ein neues Währungssystem zu stützen. Darüber hinaus sind Goldverbote ebenfalls als „Ultima Ratio“ denkbar, falls der Staat auf das Gold der Bürger angewiesen sein sollte, um lebenswichtige Importe tätigen zu können.

 

Das spricht gegen ein Goldverbot

Goldverbote wurden in der jüngeren Geschichte schon mehrfach verhängt und können auch zukünftig nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Dennoch sprechen viele Gründe gegen ein Goldverbot in absehbarer Zeit. Zu nennen sind insbesondere die folgenden:

  • Goldbesitz wird von Bürgern weltweit stark mit Freiheit verknüpft. Goldverbote sind daher sehr unpopulär und nur schwer durchsetzbar.
  • Gold ist mit das kleinste Asset unter den Vermögensklassen. Immobilien, Aktien und Sparguthaben sind deutlich verbreiteter. Im Notfall sind Zwangsmaßnahmen für den Staat in anderen Bereichen also wesentlich attraktiver.
  • Ein Goldverbot ist vergleichsweise ineffizient, denn privater Goldbesitz kann leicht versteckt, als illegales Tauschmittel genutzt und so dem staatlichen Zugriff entzogen werden.
  • Über Steuererhöhungen, Zwangshypotheken, Einziehung von Auslandsvermögen und Co. kann der Staat wesentlich schneller und effektiver auf das Vermögen der Bürger zugreifen als über ein Goldverbot.
  • In unserer globalisierten Welt sind nationale Goldverbote kaum vorstellbar. Immerhin unterhalten etliche Händler Goldlager im Ausland. Ein internationales Goldverbot hingegen dürfte jedoch nur extrem schwer durchsetzbar sein.

Zudem gilt: Die rechtlichen Hürden für ein Goldverbot sind vergleichsweise hoch. Selbst wenn es dazu kommen sollte, ist der Staat verpflichtet, den Bürgern eine angemessene Abfindung zu zahlen. Eine unentgeltliche Enteignung muss auch im unwahrscheinlichen Fall eines Goldverbots niemand befürchten.

 

Und falls es doch kommt? Diese Alternativen gibt es…

In meinen Augen ist ein Goldverbot in absehbarer Zeit sehr unwahrscheinlich. Hundertprozentig ausgeschlossen werden, kann es jedoch nicht. Gut zu wissen also, dass es auch im Fall der Fälle sinnvolle Alternativen zur Goldanlage gibt. Wer am liebsten weiterhin in Gold investieren und dieses zugleich bestmöglich vor einem Verbot sichern möchte, sollte einen Blick in die Vergangenheit werfen. Selbst das prominenteste, 1933 in den USA eingeführte und 1961 noch einmal ausgedehnte, Goldverbot sah eine Ausnahme vor: seltene Goldmünzen. Die Chancen stehen gut, dass numismatische Münzen auch in Zukunft vor einer Enteignung schützen. Allerdings setzt das Investment in Sammlermünzen eine hohe Fachkenntnis voraus.

Wer ein Goldverbot befürchtet, könnte zudem in Silber investieren. Wie ich in meinem früheren Blogbeitrag „Quo vadis, Silberpreis? Eine Analyse“ bereits erläutert habe, ist Silber im Gegensatz zu Gold ein essenzielles Industriemetall. Da Silber auch für etliche Zukunftstechnologien – vom 5G-Ausbau über das Internet of Things bis hin zu Photovoltaik-Elementen und Elektroautos – unabdingbar ist, ist ein Silberverbot kaum vorstellbar. Das Gleiche gilt übrigens auch für Platin, Palladium, die Seltenen Erden und alle Technologiemetalle. Gut zu wissen: Die in Ihrem Sachwertdepot gelagerten Rohstoffe können Sie natürlich jederzeit unkompliziert umtauschen.

Wie sich der Preis von Gold- und anderen Edelmetallen in Folge der Coronakrise kurz- und mittelfristig entwickeln könnte, beleuchte ich in einem meiner nächsten Beiträge.