Jahresrückblick 2017: So haben sich die Preise von Neodym, Praseodym und Co. entwickelt

von Marko Mähner27. Dezember 2017

Seltene Erden (SE) sind weltweit begehrte Rohstoffe. Ohne sie und andere Technologiemetalle gäbe es keine Smartphones, Elektrofahrzeuge und Windkraft-Antriebe. Indium, Palladium und die Seltenen Erden tauchen immer dort auf, wo es um wegweisende Zukunftstechnologien geht. Sie werden jedoch nicht an der Börse, sondern über namhafte (Edel-)Metallhändler gehandelt.

Preise für Seltene Erden: Tendenz steigend

Die Nachfrage nach SE ist so hoch wie nie zuvor. Seit Anfang 2017 zogen die Preise für Praseodym, Neodym, Europium und Terbium erneut deutlich an. Im Juli dieses Jahres waren die Magnet-Metalle Neodym und Praseodym noch 15 % teurer als zu Beginn des Jahres, wo eine Preissteigerung um 25 Prozent einsetzte. Ursache dafür sind die 2016 eingeleiteten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der chinesischen Regierung. Denn mit über 90 % Marktanteil ist China der weltgrößte Förderer von Seltenen Erden. Seit Anfang 2017 gibt es nur noch sechs chinesische SE-Produzenten. Sie wurden dazu verpflichtet, große Lager anzulegen und die staatlichen SE-Lager zu füllen. Damit ging ein Großteil der Seltene Erden-Gewinnung für den Weltmarkt verloren. Die strikte Einhaltung der Förderquoten verstärkte die Verknappung des Angebots noch zusätzlich.

Seltene Erden für Zukunftstechnologien unverzichtbar

Praseodym (Pd) und Neodym (Nd) profitieren von der Energiewende. Die Industrie setzt sie beispielsweise als Magnete in Windenergie-Anlagen und Elektroautos ein. Außerdem benötigt man Neodym für Smartphone-Lautsprecher, Mikrofone und Laser und zum Färben von Porzellan, Keramik und Sonnenschutzgläsern.

Kein Touchscreen ohne Indium

Das sehr seltene Schwermetall Indium (In) gehört zur Bor-Gruppe. Die Industrie verarbeitet den weichen, silberweißen Rohstoff zu Indiumzinnoxid und setzt ihn als Leiter in Smartphone-Displays, Flüssigkristallanzeigen und Solarzellen ein. Die seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts extrem gestiegene Nachfrage und die künstlich herbeigeführte Verknappung durch Spekulanten führte zu einem starken Anstieg des Indium-Preises. Der aktuell niedrigere Indium-Preis ist Folge der Überproduktion durch chinesische Unternehmen.

Edelmetall Palladium: Gewinner des Abgasskandals

Das sehr seltene Edelmetall Palladium ist derzeit deutlich wertvoller als Platin. Die aktuell hohe Nachfrage ist Folge des Dieselskandals in der Automobilindustrie. Denn das wertvolle Metall ist zu 80 Prozent in Fahrzeugen verbaut. Es konnte seit Jahresbeginn einen Preisanstieg von nahezu 50 % verbuchen. Die Industrie verwendet das vierte Edelmetall zur Herstellung von Abgaskatalysatoren, die in Fahrzeuge mit Otto-Motor eingebaut werden. Platin hingegen wird bei Diesel-Katalysatoren eingesetzt. Infolge des Abgas-Skandals erreichte der Palladium-Preis im Jahr 2017 den höchsten Stand seit 2001.

Außerdem trieb die Verknappung der weltweiten Palladium-Bestände bei gleichzeitig steigender Nachfrage den Preis für den Platin-Konkurrenten in die Höhe: Die russischen Lager scheinen weitgehend abgebaut zu sein. Der zweitgrößte Palladium-Lieferant nach Russland, Südafrika, drosselte seine Fördermengen drastisch. Analysten gehen davon aus, dass der derzeit hohe Palladium-Preis sogar noch steigen wird, da immer mehr Autohersteller das Platin in Diesel-Katalysatoren durch Palladium ersetzen. Zukunftstechnologien wie das geplante Wasserstoffauto kommen ohne das Edelmetall nicht aus: Es ist das einzige chemische Element, das eine extrem hohe Wasserstoff-Speicherkapazität hat. Außerdem verwendet man Palladium zum Cracken von Kohlenwasserstoffen, zur Schmuckherstellung (Weißgold), in der Medizintechnik und als Goldersatz in der Elektroindustrie.

Ausblick und Fazit

Analysten zufolge wird der Preisanstieg bei den Seltenen Erden wegen der durch die chinesische Politik herbeigeführten Versorgungsengpässe auch in 2018 weiter anhalten. Einigen Prognosen zufolge könnte der weiter wachsende Bedarf an SE dazu führen, dass sich die Nachfrager nach anderen Märkten umsehen müssen. Indium sagen Experten für 2018 eine erneute deutliche Preissteigerung voraus. Für Anleger sind die Technologiemetalle eine erfolgversprechende Investition: Sie werden immer knapper, während ihr Bedarf durch den schnellen technologischen Fortschritt ständig größer wird. Vor allem die Magnet-Metalle werden für diverse Zukunftstechnologien benötigt. Darüber hinaus sind sie wertstabil und keinem Wechselkursrisiko unterworfen. Ähnliches gilt für Palladium und Indium. Auch sie sind kaum ersetzbar.

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