Die Europäische Rohstoffallianz und ihre möglichen Folgen

von Marko Mähner

In der medialen Berichterstattung war der Startschuss für die Europäische Rohstoffallianz bestenfalls eine Randnotiz. Dabei sollte es doch der große Wurf hin zu einer stärkeren Rohstoff-Unabhängigkeit Europas sein. Ein in wirtschaftlich wie politisch unsicheren Zeiten durchaus begrüßenswertes Ziel. Doch was bedeutet der Zusammenschluss von Industrie und Mitgliedsstaaten für die Preisentwicklung Seltener Erden? Ein Überblick über mögliche Szenarien.

Startschuss für die Europäische Rohstoffallianz

Ende September 2020 hat die EU-Kommission die Europäische Rohstoffallianz ins Leben gerufen. Erklärtes Ziel der Allianz: Europa soll seine Abhängigkeit von Drittländern bei den kritischen Rohstoffen maßgeblich reduzieren. Dass Technologiemetalle und Seltene Erden für die Zukunft Europas eine enorme Bedeutung haben, wurde Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier nicht müde zu betonen. Er blickte dabei zurecht vor allem auf die grüne Energiewende, die ohne diese Rohstoffe nicht vorstellbar ist.

Das Problem: Bislang bezieht Europa (und die Welt) Seltene Erden vor allem aus China, das einen Großteil des weltweiten Fördervolumens stellt. Dass diese Tatsache in den nächsten Jahren und Jahrzehnten durchaus auch als politische Waffe genutzt werden könnte – man denke nur an den Handelsstreit zwischen China und den USA – dürfte auch die EU mit Sorge konstatiert haben. Im Kern ist die Gründung der Europäischen Rohstoffallianz also eine durchaus sinnvolle, fast schon überfällige Entwicklung. Wie das Ziel der Rohstoff-Unabhängigkeit, das künftig auch auf weitere Rohstoffe erweitert werden könnte, konkret bewerkstelligt werden soll, steht dagegen noch in den Sternen.

Die Europäische Rohstoff-Unabhängigkeit muss teuer erkauft werden

Wie es Europa langfristig gelingen kann, im Bereich der Seltenen Erden weitestgehend unabhängig von Drittländern zu werden, muss noch ausgelotet werden. Wird eine echte Unabhängigkeit angestrebt, sind eigentlich nur drei Maßnahmen, die sinnvoll miteinander kombiniert werden müssten, denkbar:

  1. Stärkeres Recycling
  2. Erschließung europäischer Rohstoffvorkommen
  3. Aufbau einer strategischen Reserve

Verstärktes Recycling und der Aufbau einer strategischen Reserve würden uns zwar einen gewissen Puffer schaffen, aber nicht autark machen. Eine echte Unabhängigkeit wäre wohl nur durch die Erschließung europäischer Rohstoffvorkommen sowie einer eigenen Veredelung/Weiterverarbeitung möglich.

Das allerdings ist nicht billig zu haben. Mit chinesischen Förderkosten jedenfalls wird Europa kaum mithalten können. Eine höhere Bebauungsdichte, härtere Umweltauflagen, strengere Anforderungen an die Arbeitssicherheit sowie wesentlich höhere Löhne und Abgaben dürfte die Förderung Seltener Erden zur kostspieligen Angelegenheit werden lassen.

Steigende Preise durch höhere Förderkosten?

Angesichts der zu erwartenden hohen Förderkosten dürften europäische Minen kaum mit der Konkurrenz aus China mithalten können. Ein rentables Arbeiten wäre unter diesen Umständen nicht möglich. Die EU-Staaten allerdings könnten beispielsweise hohe Zölle auf entsprechende Einfuhren verhängen, um die Wirtschaftlichkeit heimischer Minen zu sichern. Die Folge: Die Preise für Seltene Erden würden deutlich ansteigen. Ein Punkt, der Anleger und Kenner der Strategischen Metalle aufhorchen lassen dürfte. Sicher ist ein solcher Preisanstieg allerdings keinesfalls.

Ebenso gut möglich ist es, dass sich die Europäische Union zu einer Subventionierung der Rohstoffförderung entscheidet. Angesichts der starken wirtschaftlichen Verflechtungen und der (bislang) eher antiprotektionistischen Einstellung der EU, ist dieses Szenario womöglich sogar das wahrscheinlichere.

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In einem meiner nächsten Beiträge werde ich mich mit einem typischen Anlegerverhalten – und den sich daraus ergebenden Implikationen – befassen.

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