Echtheitsprüfung von Edelmetallen – so gehen Sie auf Nummer Sicher

von Marko Mähner

Sie haben Edelmetalle erworben und möchten sicher gehen, dass Sie nicht auf Betrüger reingefallen sind? Wir zeigen Ihnen, wie Sie dies ganz einfach überprüfen können.

Ketten, Ohrringe oder Luxusuhren kann man ohne Probleme im Ausland oder Internet für wenig Geld kaufen. Oft ist dem Käufer vorher bereits klar, dass es sich hierbei um keine originale Ware handelt. Mit deutlich höherem Fingerspitzengefühl gehen Betrüger bei Barren und Münzen aus Edelmetallen vor. Imitationen sehen auf den ersten Blick meist völlig echt aus.

Manchmal genügt bereits ein zweiter Blick, um den Betrüger zu entlarven. Wir haben die vier besten Tipps für Sie zusammengestellt.

1. Simpel und schnell: Die Augenscheinprüfung

Wie der Name dieser Methode bereits vermuten lässt, überprüft man mit der Augenscheinprüfung ganz einfach das Aussehen der Barren oder Münzen sowie die dazugehörige Verpackung. Schauen Sie sich die zu vergleichenden Objekte am besten direkt auf der Herstellerseite oder der Seite eines seriösen Goldhändlers an. Achten Sie dabei auf die folgenden Merkmale:

  • Verpackung

Beginnen Sie am besten direkt mit der Verpackung — hier arbeiten Betrüger oft sehr nachlässig. Angefangen bei einer billigen verschweißten Plastikverpackung, bis hin zu kuriosen Rechtschreibfehlern. So wurde beispielsweise „Perth Mint Case“ schon versehentlich als „Pert Mint Case“  betitelt.

  • Echtheitsmerkmale

Hologramme, Stempeleindrucke, eine Kontrolle von kleinsten Details ist hier also sehr ratsam. Nutzen Sie zum Vergleich einfach Produktbilder von seriösen Anbietern (z.B. Mitglieder im Berufsverband des deutschen Münzenfachhandels e.V.). Wenn Sie ein Mikroskop zuhause haben, lohnt es sich auch die Edelmetalle selbst einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Achten Sie auf Einstanzungen von Siegeln sowie Motiven.

Tipp: Informieren Sie sich bereits vor dem Kauf der Edelmetalle über den Verkäufer. Ist die Website fehlerhaft oder behaftet mit zahlreicher Werbung, könnte dies ein erster Indikator für einen unseriösen Händler sein. Ebenso wichtig ist die Angabe eines Impressums. Adresse, Telefonnummer und ein Name müssen vorhanden sein. Prüfen Sie die Daten über Suchmaschinen und lesen Sie Testberichte. Viele seriöse Händler haben sich zudem im Berufsverband des deutschen Münzenfachhandels e.V. zusammengeschlossen. Hier können sie prüfen, ob Ihr Händler dort Mitglied ist: www.muenzenverband.de/mitgliederliste/

Sicherlich können Sie mit dieser Methode schon einen großen Teil der Fälschungen erkennen, aber Vorsicht: Ohne die folgenden Prüfungen haben Sie noch keine Gewähr für die Echtheit der Prüflinge.

2. Stimmen Gewicht und Maße?

Ähnlich simpel wie die Augenscheinprüfung ist die Prüfung von Gewicht und Maße der Edelmetalle. Die Feinunze gilt als internationales Standardgewicht im Edelmetallhandel. Dabei entspricht das Gewicht einer Feinunze Gold, Silber, Bronze, Platin oder Palladium 31,103477 Gramm. Spricht der Edelmetallhändler hingegen von einer Unze, so sollte diese ein Gewicht von 28,349523 Gramm verzeichnen. Überprüfen Sie auch die Maße des Barren oder der Münze. Nutzen Sie dazu am besten einen Messschieber und vergleichen Sie wieder die Werte mit denen seriöser Anbieter. Einen solchen Messchieber erwerben Sie bereits für unter 5 Euro in online Verkaufsportalen. Seien Sie nicht so sparsam mit der Wage, hier können Sie jedoch auf für unter 20 Euro eine entsprechende Genauigkeit erreichen.

3. Mit dem Wasserverdrängungstest die Dichte überprüfen

Haben Sie gut im Physikunterricht aufgepasst? Dann können Sie diesen Abschnitt vielleicht überspringen. Denn der Wasserverdrängungstest ist ein physikalisches Verfahren, mit dem die tatsächliche Dichte des Edelmetalls ermittelt wird. Dazu müssen Sie einfach das Gewicht Ihres Edelmetalls in Gramm durch das im Test ermittelte Volumen in cm³ dividieren.

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht!

Was Sie brauchen: Einen Messzylinder, einen Faden, eine Waage und etwas Leitungswasser.

Im ersten Schritt wiegen Sie das Edelmetall und notieren sich den angezeigten Wert. Stellen Sie anschließend den mit Wasser gefüllten Messzylinder auf die Waage und tarieren Sie diese auf null. Binden Sie nun das zu prüfende Edelmetall an einen Faden und tauchen Sie es in das Wasser ein. Achten Sie beim Eintauchen darauf, dass Sie den Messzylinder nicht berühren. Da Wasser in etwa eine Dichte von 1g/cm³ hat, entspricht die Masse des verdrängten Wassers auch dem Volumen des darin befindlichen Gegenstandes in cm³. Somit entspricht der jetzt angezeigte Wert genau dem Volumen Ihres Edelmetalls. Nun können Sie wie oben beschrieben die Dichte bestimmen. Vergleichen Sie abschließend Ihr Ergebnis mit der für ihr Element typischen Dichte. Prüfen Sie reines Gold (999,9), so sollten Sie eine Dichte von 19,3 g/cm³ erhalten, bei Silber sind es 10,5 g/cm³.

Beachten Sie hierbei die Dichten der spezifischen Goldlegierungen:

999 (24 Karat)  = 19,3 gramm/cm³

900 (21 Karat)  = 17,5 gramm/cm³

750 (18 Karat)  = 15,1-15,8 gramm/cm³ in Abhängigkeit der Zusammensetzung der Legierung

585 (14 Karat)  = 13,1-13,6 gramm/cm³ in Abhängigkeit der Zusammensetzung der Legierung

375 (9 Karat)    = ca. 11,2  gramm/cm³ in Abhängigkeit der Zusammensetzung der Legierung

333 (8 Karat)    = 10,5-10,9 gramm/cm³ in Abhängigkeit der Zusammensetzung der Legierung

4. Aufwendig aber effizient: Der Säuretest

Für alle Chemiefreunde empfehlen wir den Säuretest. Zunächst benötigen Sie einen leichten Abrieb Ihrer Münze oder Ihres Barren. Anschließend nehmen Sie ein Gemisch aus Salz- und Salpetersäure und geben dieses auf den Abrieb. Verändert sich der Abrieb nicht, so haben Sie unverfälschte Ware erworben. Verändert er sich hingegen oder verschwindet gar, so haben Sie gefälschte Ware oder sogenannte gestreckte Edelmetalle erhalten, welche nicht zu 100% aus dem jeweiligen Element bestehen.

Achtung: Dieser Test sollte nur von absoluten Profis durchgeführt werden. Ihr Juwelier des Vertrauens wird Ihnen hierbei sicherlich gern zur Seite stehen.

Sie haben weitere Methoden parat? Hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar mit Ihren Erfahrungen oder Anregungen. Wir hoffen, Sie lassen sich bei Ihrem nächsten Edelmetallkauf nicht hinters Licht führen!

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