Streit um das Gold der Griechen

von Marko Mähner29. Januar 2018

In Griechenland stehen 2400 Arbeitsplätze auf der Kippe, denn ein Projekt ist in Gefahr. Regierungschef Tsipras will den Investor zermürben.

Auf der Halbinsel Chalkidiki liegt ein wertvoller Schatz verborgen: Man vermutet dort 230 Tonnen pures Gold und 1500 Tonnen Silber. Das teilen die Experten der Firma Hellas mit. Griechenland könnte damit noch vor Finnland der größte Goldproduzent in Europa sein, sagt Sprecher Kostas Georgantzis. Die Goldsuche wurde in Griechenland seit der Antike betrieben. Alexander der Große nutzte das Gold für seine Eroberungszüge. Nun wäre es möglich, das Gold zur Krisenmeisterung zu nutzen. Dafür sollen zwei Milliarden Dollar vom kanadischen Konzern Eldorado Gold investiert werden. Der Konzern arbeitet dabei mit seiner griechischen Tochterfirma Hellas Gold zusammen. Im Unternehmen sind zurzeit 1200 Arbeitnehmer angestellt, bei Subunternehmen die gleiche Zahl.

Die Förderung in drei Minen in der Nähe von Olympias, Skouries und Thrazien hätte eigentlich schon längst beginnen sollen. Doch die Regierung um Präsident Tsipras stellt sich dem entgegen, indem sie Bau- und Betriebsgenehmigungen verweigert.

Das griechische Reformprogramm

Der griechische Präsident Alexis Tsipras möchte sein Land mithilfe eines Spar- und Reformprogramms wieder auf Vordermann bringen. Das Programm soll ab Sommer 2018 starten und beinhaltet die Kernelemente Renten, Steuerfreibeträge, Privatisierungen und primärer Überschuss. Die Lizenzen für den Betrieb der Goldminen in Olympias und Skouries stehen noch immer aus. Laut Energieminister Giorgos Stathakis wolle die Regierung nun eine Schlichtung einleiten. Bekannt ist jedoch nicht, welche Streitpunkte überhaupt im Raum stehen. Nur vage teilt das Energieministerium mit, ein Schlichtungsverfahren solle im Sinne des öffentlichen Interesses stattfinden und dafür sorgen, dass das Gold und das Silber im Boden im Einklang mit den gültigen Umweltstandards gewonnen werden.

George Burns, CEO von Eldorado Gold sagte dem Handelsblatt in einem Interview, die griechische Regierung habe seinen Konzern bisher nicht informiert, man wisse daher nicht, worum es in dem Schlichtungsverfahren konkret gehen soll. Das Verfahren bedeute jedoch eine neue Verzögerung und vielleicht sogar für das Vorhaben der Gold- und Silbergewinnung das endgültige Aus. Die Regierung hofft offenbar, den Investor mit einer Verzögerungstaktik zu zermürben und zur Aufgabe des Plans zu bewegen. Tsipras könnte sodann dem Konzern die Schuld am Scheitern des Plans in die Schuhe schieben.

Die Eröffnungsfeier der Anlage bei Olympias, die groß angekündigt war und zu der Prominenz aus aller Welt geladen war, musste auf einen unbestimmten Termin in der Zukunft abgesagt werden. Geplant war die Eröffnung für den Juni 2018 und musste wegen der fehlenden Genehmigungen mittlerweile verschoben werden. Wie es seitens des Unternehmens nun heißt, wolle man keine Anlage eröffnen, die vielleicht niemals eine Betriebsgenehmigung erhalten wird. Seit Jahren streitet man sich um dieses Projekt, mit dem Ergebnis einer Spaltung der Bevölkerung. Hellas Gold stellt den wichtigsten Arbeitgeber in der Region dar. Alle 2400 Beschäftigten kämpfen mit ihren Familien für die Realisierung des Projekts Edelmetallförderung. Kritiker hingegen fürchten, der Goldabbau werde Schäden in der Natur nach sich ziehen und den Tourismus beeinträchtigen. Vor allem die Mitglieder des Linksbündnisses Syriza rund um Tsipras und die rechte Partei Goldene Morgenröte organisieren die Proteste. Inzwischen hat der Kampf brutale Ausmaße angenommen. Im Jahr 2013 sind bewaffnete Maskierte in die Mine nahe Skouries eingebrochen, haben Wachleute gefesselt und mit Benzin übergossen. Auch Gebäude und der Fuhrpark wurden angezündet.

Zyanideinsatz

Hellas Gold behauptet, es werde nicht zu ökologischen Schäden durch die Goldgewinnung kommen, denn es komme entgegen anderslautender Behauptungen nicht zu einem Zyanideinsatz. Hellas Gold hat Urteile vorgelegt, die das Einhalten der Umweltauflagen durch den Konzern dokumentieren. Dennoch gibt es Blockaden seitens der Regierung.

Die Investoren werden ihre Pläne in Griechenland überprüfen müssen.

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