Von Marko Mähner – Veröffentlicht: 23. April 2020

Kluge Investoren sehen den Ausfall des Xetra-Handels als Warnschuss. Was für Aktienbesitzer weniger tragisch ist, kann für Besitzer von (Gold)Derivaten jedoch schnell zum finanziellen Armageddon werden.

Was war geschehen?

Am Dienstag, den 14. April 2020 fiel der Handel über Xetra für über 4 Stunden wegen technischer Probleme komplett aus. Von zirka 9:25 bis 13:50 war kein Handel mehr möglich. Für Aktienbesitzer muss solch eine Störung noch nicht einmal dramatischen Auswirkungen haben. Denn wenn sie unbedingt Aktien handeln wollen, können Sie auch auf andere Börsenplätze ausweichen. Für Besitzer von Derivaten kann solch ein technisches Problem aber ganz schnell massive Verluste nach sich ziehen.

Als Derivate werden Finanzprodukte bezeichnet, deren Preis auf dem Wert eines anderen Wertpapiers (Anleihen, Aktien, Indizes) oder eines Rohstoffes (Gold, Silber, Öl) basiert. Zu den gebräuchlichen Derivaten gehören zum Beispiel Zertifikate, Optionsscheine, Swaps, Futures, ETFs usw.

Finanzielle Massenvernichtungswaffen

Warren Buffet hat Derivate als „Finanzielle Massenvernichtungswaffen“ bezeichnet. Der Grund für diese vernichtende Einstufung ist einleuchtend: Meist hebeln sie den Gewinn, aber leider auch den Verlust, sie verursachen zusätzliche (oft erhebliche) Kosten, haben Kurs- oder Zeitgrenzen, an denen sie wertlos verfallen und sie tragen ein Emittentenrisiko (Anbieter wird insolvent; siehe Lehman-Pleite im September 2008).

Um die Kurse für Derivate zu errechnen, werden die Xetra-Kurse benötigt. Gleichgültig aus welchen Gründen: Wenn Xetra keine Kurse stellt, können auch die davon abhängigen Derivate nicht gehandelt werden.

Manche Dinge müssen wir erst erleben, bevor wir sie glauben…

Niemand hätte vor einigen Monaten geglaubt, dass die gesamte Bevölkerung für Wochen eingesperrt wird. Dass quasi über Nacht alle Geschäfte, Restaurants geschlossen und die Industrie lahmgelegt werden. Keine Fußballspiele, Livekonzerte, Opern, Autorennen und, und, und…

Manche Dinge müssen erst passieren, damit wir sie uns vorstellen können. Und wir müssen sie erst einmal persönlich erleben, um deren Tragweite wirklich begreifen zu können.

Ähnlich dürfte es uns bei einem Ausfall der Börse oder einem Zusammenbruch des Internets blühen. Auch wenn ein solches Horrorszenario den meisten von uns unvorstellbar erscheint, weitsichtige Investoren sollten es trotzdem auf dem Schirm haben: Fällt der Börsenhandel aus, können Wertpapiere nicht mehr gehandelt werde. Und dabei ist es völlig egal, ob nur die Börse oder das gesamte Internet betroffen ist. Ebenso gleichgültig ist es, ob der Handel wegen Stromausfall, einer technischen Störung, menschlichen Versagens, bewusster Manipulation oder wegen eines Hackerangriffs ausfällt.

Bequem oder sicher?

Beim Vergleich von Derivaten mit physischen Sachwerten ist der größte Vorteil der Derivate die Bequemlichkeit. Physisches Gold ist nicht bequem: Es kann nicht einfach elektronisch versendet werden, vielmehr muss es mit Fahrzeugen, Flugzeugen oder Schiffen transportiert werden. Es weckt Begehrlichkeiten und muss vor Langfingern geschützt und versichert werden. Und, auch wenn es äußerst robust ist und kaum Ansprüche an die Umgebungstemperaturen und die Luftfeuchtigkeit stellt, es muss geprüft und gelagert werden.

Gold ist nicht bequem – aber es ist sicher. Wer Edelmetalle als Schutz vor Kaufkraftverlust oder als Notgroschen für Krisenzeiten betrachtet, sollte ausschließlich auf Gold und Silber in physischer Form setzen. Deren Wert kann und wird zwar immer schwanken, aber wertlos wird es nie werden.

Eine echte Alternative ist das Sachwertdepot: Das ist bequem und sicher!