Aktien gehören langfristig zu den renditestärksten Anlageklassen. Gleichzeitig sind sie jene Anlageform, bei der Rückschläge nicht die Ausnahme, sondern Teil des Systems sind. Wer Aktien hält, investiert nicht nur Kapital, sondern muss auch Geduld, Disziplin und die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten, mitbringen.
Gerade in Phasen hoher Bewertungen wird dieser Charakter besonders sichtbar. Denn hohe Kurse bedeuten nicht zwangsläufig ein baldiges Ende der Aufwärtsbewegung – sie erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit längerer, psychologisch belastender Verlustphasen.
Große Rücksetzer gehören zur Aktiengeschichte
Der Dow Jones Industrial Average wird seit dem 26. Mai 1896 veröffentlicht. Seitdem kam es immer wieder zu massiven Kursrückgängen von über 30 %, teils deutlich darüber. Diese Drawdowns traten in sehr unterschiedlichen Marktphasen auf und haben unterschiedliche Gründe: Kriege, Rezessionen, Finanzkrisen, Inflationsphasen oder technologische Umbrüche.
Auffällig ist dabei ein wiederkehrendes Muster:
Keiner dieser Einbrüche wurde im Vorfeld zuverlässig prognostiziert. Auch renommierte Analystenhäuser erkannten große Rückgänge meist erst, als sie bereits im Gange waren.

Die Grafik macht deutlich: Drawdowns von 30 %, 40 % oder mehr sind kein Zeichen von Marktversagen, sondern ein historischer Normalzustand.
Sie zeigt:
- Dass größere Kursrückgänge historisch regelmäßig auftreten
- Dass hohe Bewertungen kein verlässlicher Crash-Indikator sind
- Dass langfristige Renditen nur mit zwischenzeitlichen Verlustphasen erreichbar sind
Sie zeigt nicht:
- Wann der nächste Rückgang kommt
- Wie tief er ausfallen wird
- Welche kurzfristigen Prognosen „richtig“ sind
“Die Grafik ist kein Warnsignal – sondern eine Erinnerung an die Spielregeln.”
Prognosen: So nützlich wie ein Fallschirm aus Beton
Für das kommende Jahr erwarten die meisten Marktbeobachter moderate Renditen im Bereich von etwa 3 bis 8 %. Nur wenige rechnen mit einem klaren Verlustjahr, nahezu niemand mit einem massiven Einbruch.
Dieses Bild ist nicht ungewöhnlich. Auch in der Vergangenheit lagen Prognosen meist daneben – und es traten größere Rückschläge auf, die kaum jemand antizipiert hatte.
Wer in Aktien investiert, sollte daher weniger darauf setzen, den nächsten Abschwung vorherzusagen, sondern sich darauf vorzubereiten, ihn mental auszuhalten und/oder dann systematisch zu investieren.
Aktien erfordern Struktur – und Aufwand
Aktienrenditen sind kein Selbstläufer. Der Weg dorthin unterscheidet sich je nach Investitionsform erheblich:
- Einzeltitel erfordern Analyse, laufende Beobachtung und aktive Entscheidungen. Unternehmen können scheitern, dauerhaft hinter dem Markt zurückbleiben oder ganz verschwinden.
- Breite Indizes reduzieren dieses Risiko strukturell. Verlierer fallen heraus, Gewinner steigen auf. Der operative Aufwand ist geringer, die Schwankungen bleiben jedoch.
Unabhängig vom Ansatz gilt: Aktien verlangen mentale Belastbarkeit. Wer Rücksetzer nicht aushält, wird langfristig nicht von ihrer Renditekraft profitieren – selbst wenn die Anlageidee grundsätzlich richtig ist.
Fazit: Aktien belohnen Geduld – bestrafen Illusionen
Aktien sind kein Instrument für schnelle Gewissheit. Sie belohnen langfristiges Investiertbleiben, bestrafen aber falsche Erwartungen, hektische Entscheidungen und den Glauben an Prognosesicherheit.
Wer Aktien nutzt, sollte sie bewusst als Wachstumsbaustein verstehen – nicht als stabilen Wertanker. Genau hier liegt der Grund, warum viele Anleger ihr Vermögen nicht ausschließlich an den Kapitalmärkten aufbauen.
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