Von Marko Mähner – Veröffentlicht: 9. Juni 2020

Covid-19 lässt die Wirtschaft taumeln. Nun soll eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer für Kauflaune sorgen. Bei hohen Summen, wie sie beim Kauf von Edelmetallen anfallen, könnten tatsächlich große Einsparungen möglich werden. Ich zeige Ihnen, womit sie rechnen sollten, was Sie beachten müssen und wie Sie richtig sparen können.

Geplante Mehrwertsteuer-Senkung

Am 3. Juni hat die große Koalition beschlossen, die Mehrwertsteuer für sechs Monate (vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020) zu senken. Der volle Satz soll von 19 Prozent auf 16 Prozent reduziert werden, der ermäßigte von 7 Prozent auf 5 Prozent. Sollten die Rahmenbedingungen so bestehen bleiben, wäre auch der Handel mit Edelmetallen begünstigt.

Wegen dem hohen Wettbewerbsdruck gehe ich davon aus, dass die Mehrzahl der Händler die Steuersenkungen an die Kunden weitergeben werden. Ganz sicher ist das jedoch nicht, denn die Umstellung ist mit Aufwand verbunden und müsste gleich zweimal innerhalb von 6 Monaten vorgenommen werden. Wir, bei GranValora werden die geplanten Senkungen – wenn sie denn tatsächlich so verabschiedet werden, pünktlich zum 1. Juli in voller Höhe an unsere Kunden weitergeben.

Eine Reduzierung der Kaufpreise von 2 bis 3 Prozent wäre, wegen der teilweise recht hohen Summen im Edelmetallhandel eigentlich ein verlockender Anreiz, doch nicht alle Metalle profitieren im gleichen Maße. Genaues Hinschauen lohnt sich …

Drei Gruppen

Eine Frage, die uns in den letzten Tagen häufiger gestellt wurde: „Lohnt es sich, anstehende Käufe wegen der geplanten Steuersenkungen zu verschieben?“
Um sie zu beantworten sollten die Rohstoffe in drei Gruppen unterteilt werden:

  1. Grundsätzlich von der Mehrwertsteuer befreite Produkte
  2. Produkte, die einer vergünstigten Besteuerung unterliegen
  3. Rohstoffe, die der Regelbesteuerung unterliegen

1. Grundsätzlich von der Mehrwertsteuer befreite Produkte

Gold ist in der EU bereits seit 1998 komplett von der Mehrwertsteuer befreit. Die geplante Mehrwertsteuer-Senkung hat auf Goldkäufe somit keinerlei Auswirkungen. Vorausgesetzt, es handelt sich um Anlagegold. Dazu zählen Goldbarren mit einem Feingehalt von mindestens 99,5 Prozent und bestimmte Goldmünzen. Die müssen jedoch vier Kriterien erfüllen, damit sie als Anlagemünzen eingestuft werden:

  1. Die Prägung muss nach dem Jahr 1800 erfolgt sein
  2. Der Feingehalt muss mindestens 90 Prozent betragen
  3. Sie müssen in dem Herkunftsland ein gesetzliches Zahlungsmittel sein oder gewesen sein
  4. Der übliche Verkaufspreis darf den Goldwert nicht um mehr als 80 % übersteigen

2. Produkte, die einer vergünstigten Besteuerung unterliegen

Beim Silber gilt es zu unterscheiden:
Silberbarren unterliegen dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Sie würden somit tatsächlich von der Senkung auf 16 Prozent profitieren. Allerdings werden Silberbarren nur äußerst selten zu Anlagezwecken gekauft, denn es gibt zwei wesentlich günstigere Lösungen.

Eine davon ist der Kauf von Silbermünzen und Münzbarren, die der Differenzbesteuerung unterliegen. Dabei fällt für den Großteil des Kaufpreises lediglich der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent an. Nur die Marge des Händlers wird mit 19 Prozent belastet. Silbermünzen und Münzbarren dürften somit ab Juli etwas mehr als 2 Prozent günstiger werden.

Gleich zeige ich Ihnen noch, wie Sie nicht nur 2 Prozent, sondern die komplette Mehrwertsteuer sparen können. Und zwar völlig legal und ohne zeitliche Begrenzung. Aber zuvor erfahren Sie noch, wo sich die Mehrwertsteuersenkung am stärksten auswirkt…

3. Rohstoffe, die der Regelbesteuerung unterliegen

Bei Rohstoffen, die der Regelbesteuerung, also dem vollen Satz von 19 Prozent unterliegen, macht sich die Senkung der Mehrwertsteuer am stärksten bemerkbar. Neben Diamanten, Technologiemetallen und Seltenen Erden werden die beiden Edelmetalle, die im letzten Jahr durch ihre hohen Gewinne aufgefallen sind, am stärksten profitieren.

 

Palladium, der Shooting Star 2019 (Quelle: Finanzen.net und GranValora)

Während Gold, Silber und Platin in 2019 „nur“ ca. 20 Prozent zulegen konnten, hat Palladium seine Investoren mit einem Gewinn von 56 Prozent fürstlich belohnt. Übrigens: Platin ist, mit Blick auf die Zukunft, sicherlich sehr spannend (siehe Platin: Für Investoren mit Weitblick?).

Aber Hand aufs Herz – selbst wenn die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt wird, auch diese 16 Prozent müssten erst einmal durch Preissteigerungen herausgeholt werden, bevor Sie in die Gewinnzone kämen.

Fazit:

Ja, die geplante Senkung der Umsatzsteuer könnte auch Käufern von Edelmetallen eine Einsparung bringen. Aber diese sind, im Vergleich zu den üblichen Tagesschwankungen eher marginal und auf den Kauf von Gold hat sie ohnehin keine Auswirkungen. Bei differenzbesteuerten Silbermünzen wird die Ersparnis etwa 2 Prozent, bei allen anderen Rohstoffen wie Palladium, Platin und Diamanten 3 Prozent betragen.

Eine Verschiebung anstehender Käufe, allein wegen der Senkung der Mehrwertsteuer, halte ich nicht für sinnvoll. Ich würde eher schwächere Tage zum Einstieg nutzen – wenn ich die Metalle unbedingt bei mir zu Hause lagern wollte. Und wer bei Silber, Palladium, Platin und Diamanten nicht nur 2 bis 3 Prozent, sondern die komplette Mehrwertsteuer sparen möchte, der entscheidet sich für ein in Deutschland gelegenes Zolllager. Dort wird nicht nur die komplette Mehrwertsteuer gespart – und zwar nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft, und das gilt auch für Sparpläne.