Thomas Meyer sieht die tiefste Rezession der Nachkriegsgeschichte auf uns zukommen. Er zieht dabei einen interessanten Vergleich zwischen der Corona-Pandemie und dem „Ruhrkampf“ von 1923. Nur das im Januar 1923 französische und belgische Truppen ins Ruhrgebiet einzogen, während es jetzt ein kleines Virus ist, das die Wirtschaft lahmlegt, dafür aber weltweit und nicht nur regional begrenzt.

„Corona-Pandemie“ und „Ruhrkampf“ – ein interessanter Vergleich

Thomas Mayer war bis 2012 Chefvolkswirt der Deutschen Bank und ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute. Er vergleicht die Auswirkungen der Corona-Pandemie mit dem „Ruhrkampf“ – ein interessanter Vergleich – mit weitreichenden Folgen.

Zur Durchsetzung von Reparationszahlungen zogen im Januar 1923 französische und belgische Truppen ins Ruhrgebiet. Die Weimarer Regierung rief zu passiven Widerstand auf, in deren Folge es zu einer temporären Stilllegung der Wirtschaft kam. Dadurch fielen Steuereinnahmen weg, gleichzeitig übernahm aber der Staat die Lohnfortzahlung. Die Finanzierung erfolgte damals durch die Reichsbank. In der Folge stiegen die Preise in astronomische Höhen.

Die Parallelen zur aktuellen Pandemie sind deutlich erkennbar

  • Steuereinnahmen brechen weg
  • Hilfsmaßnahmen schwemmen Liquidität in bisher nie dagewesener Menge in den Markt
  • Etliche Unternehmen werden die Krise trotz finanzieller Unterstützung nicht überleben – die Produktionskapazitäten werden sich verringern
  • Die enorme Liquidität (Kredite, nationale und internationale Hilfsprogramme) wird zwangsläufig zu steigenden Preisen führen.

Sein Fazit: Historisch tief verwurzelte Währungen werden keine Probleme bekommen, doch der Euro ist – wie damals die Reichsmark – eine relativ junge Währung. Hinzu kommt, dass einige Euroländer bereits vor der Corona-Krise hochverschuldet waren.

Ein Umstand, der jedoch nach Meinung von Marko Mähner, Geschäftsführer der GranValora, in diesem Vergleich noch gar nicht berücksichtigt wurde: „Es gibt eine Vielzahl unrentabler Unternehmen. Schon vor der Krise hoch verschuldet, wird deren Sterben durch billige Kredite und vereinfachte Darlehensprüfungen nun nochmals verlängert. Geraten diese Firmen, zum Beispiel durch steigende Zinsen ins Straucheln und kommt es dann noch zu Kreditausfällen im privaten Bereich, zum Beispiel durch Baufinanzierungen, die aufgrund von Arbeitslosigkeit nicht mehr bedient werden, könnte es für einige Banken eng werden.“